Stillcafe Waiblingen
Stillcafé Waiblingen
Mitglied der Arbeitsgemeinschaft Freier Stillgruppen e.V. (AFS)
EmK Waiblingen, Bismarckstraße 1, 71332 Waiblingen

Aktuelles

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    Die neuen Termine für 2017 sind online.

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  • 17.04.2014 Eröffnungsfeier

    (Waiblinger Kreiszeitung vom 19.05.2014)

    Ein Forum für stillende Mütter
    Das neue Stillcafé in Waiblingen stößt bei vielen Frauen auf großen Zuspruch
    Von unserer Mitarbeiterin Ellen Schonter
    Waiblingen.

    Fünf Frauen machen es möglich: ein neues kostenloses Stillcafé für stillende Frauen oder solche, die es werden wollen. Zweimal im Monat können sich die Mütter in lockerer Runde über ihre Erfahrungen beim Stillen austauschen. Betreut wird die Runde von qualifizierten Beraterinnen, die bei allen Fragen zur Seite stehen.

    Rund 20 Frauen sitzen auf Weichbodenmatten im Kreis. Zwischen ihnen krabbeln ihre Kinder durch Spielzeug und Bücher, andere liegen schlafend auf dem Arm. Das jüngste Kind ist gerade mal zwei Wochen alt, das älteste 14 Monate. "Aber es gibt kein Limit nach oben, alle sind willkommen", sagt Doris Vitzthum. Sie hat das neue Stillcafé ins Leben gerufen, das am vergangenen Montag in den Räumen der evangelisch-methodistischen Christuskirche seine Eröffnung feierte. "Beim Thema Stillen gibt es immer noch viel zu viele Ammenmärchen und Fehlinformationen", findet Doris Vitzthum. "Wir wollen eine ungezwungene Plattform bieten für Ratsuchende und freien Austausch von Erfahrungen."

    Verunsicherte Mütter

    Denn Stillen ist, so sind sich die Frauen des Stillcafés einig, nicht so einfach, wie man denkt. "Es ist nicht bloß ein Instinkt, sondern ein Kulturgut, das von einer Generation an die nächste weitergegeben wird", meint Katja König. Sie ist Kinderkrankenschwester, Stillberaterin und Teil des fünfköpfigen Teams des Stillcafés. "Beim Stillen tauchen Fragen auf wie: Reicht es überhaupt, wenn mein Kind nur Muttermilch trinkt? Ist es normal, wenn das Kind beim Stillen schreit? Und stimmt es, dass Kinder schlechter durchschlafen, weil sie gestillt werden?" Diese Fragen sind für Doris Vitzthum Ausdruck einer symptomatischen Verunsicherung heutiger Mütter. Den Grund dafür vermutet sie in den 70er Jahren. "Damals wurde industriell hergestellte Säuglingsnahrung als Ersatz für Muttermilch gepriesen. Stillen wurde geradezu verpönt ‐ und das nötige Basiswissen nicht mehr an die nächste Generation weitergegeben", erklärt sie. Viele heutige Mütter seien daher zutiefst verunsichert. Das neue Stillcafé trifft also einen Nerv vieler Frauen ‐ besonders in Waiblingen. "Offene Treffen, zu denen man ohne Anmeldung einfach hingehen kann, sind hier und in der Umgebung dünn gesät", findet die Fellbacherin Ilona Scharmann, die mit ihrer fünf Monate alten Tochter gekommen ist.
    Olga Homering, Vanessa Antoni, Doris Vitzthum und Katja König (von links) mit ihren Kindern. Bild: Habermann
    Zweimal im Monat findet das Stillcafé statt, an dem sich immer zwei der fünf Frauen um die Gruppe kümmern. Gefunden hat sich das Team durch Doris Vitzthum. "Schon 2012 hatte ich die Idee für ein Stillcafé in Waiblingen", erzählt sie. Über ihren Job als Vollzeit-Hebamme traf sie schließlich mit Katja König eine Gleichgesinnte. Diese war begeistert von Vitzthums Idee und kannte wiederum weitere Mütter, und so entstand in kurzer Zeit das fünfköpfige Team des Stillcafés. Nur zwei Treffen im Frühjahr brauchte es, bis Raum, Programm und Website standen.

    Fehlende Lobby fürs Stillen

    Alle fünf Betreuerinnen des Stillcafés arbeiten ehrenamtlich und haben eine Qualifikation: Katja König etwa ist Kinderkrankenschwester und Stillberaterin der Arbeitsgemeinschaft Freier Stillgruppen (AFS). "Vor allem aber haben alle ein eigenes Kind gestillt. Das ist wichtig, wenn man Erfahrungen weitergeben will", sagt Doris Vitzthum. Und das funktioniert schon am Eröffnungstag ohne Probleme. Bald bilden sich kleine Gruppen, die über ihre Erfahrungen diskutieren: Tut euch das Stillen auch so weh? Wie oft müsst ihr nachts die Windeln wechseln? Aber thematisiert wirdnicht nur das Stillen an sich. Die Frauen im Stillcafé sind sich einig, dass die Wirtschaft mit Produkten für Muttermilchersatz zu großen Druck auf stillende Frauen ausübt.
    Ilona Scharmann beispielsweise wurde von Stillberaterinnen in Kliniken zu Muttermilchersatz gedrängt. "Nach acht Monaten hat man mich gefragt, wann ich denn endlich mit dem Stillen aufhöre", erzählt sie. Aber für die Fellbacherin ist klar: "Muttermilch hat viele Nährstoffe, die richtige Temperatur und ist auch praktischer als ein Fläschchen. Deshalb lasse mir bei der Stillzeit nicht reinreden, sondern höre einfach auf meinen Körper." Doch so selbstbewusst sind nicht viele Frauen. Deswegen kritisiert Vitzthum den öffentlichen Druck. "Schon in der Klinik kommen die Mütter mit Milchersatz in Kontakt und die Hersteller versprechen einen gleichwertigen Ersatz der Muttermilch", sagt sie. "Stillen dagegen ist wirtschaftlich nicht interessant und hat einfach keine Lobby." Dazu kommt die fehlende Akzeptanz der Gesellschaft. Fast alle Frauen beim Eröffnungstreff wurden beim öffentlichen Stillen schon mal schief angeschaut. "Angeekelte Blicke sind keine Seltenheit. Andere gaffen dann wieder – denn Brüste sind heutzutage ja auch ein Sexualobjekt", sagt Inken Luik, die mit ihrer zwei Monate alten Tochter gekommen ist. Verständnis hat sie aber für die Generation über ihr. "Damals gab es eben keine Plattform fürs Stillen, da schließt man sich eher dem Gesellschaftskonsens an." Umso wichtiger findet sie Einrichtungen wie das Stillcafé:
    "Mit einer Gemeinschaft im Rücken ist alles einfacher."


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